Dies hier ist die erste Geschichte, die ich hier herein setze. Ich hab mit ihr den Literaturwettbewerb von meiner Schule gewonnen. *freu* Es werden (hoffentlich) noch welche Folgen. Inspiriert wurde ich hier von dem Text Scoundrel days von a-ha.

Montag 14.Februar 2005 (Valentinstag)

“Hat das jemand geschriehen?“ Sie war es sicher nicht. Ihre Augen sind weit offen, um sie herum Stille und Dunkelheit. Das kalte Zimmer, das Geräusch ihres Atems. Sie hebt den Kopf vom unbequemen Kissen, setzt ihre Füße auf den harten Boden. Sie hört die kleinen Glassplitter knirschen, wie sie sich in ihren nackten Fuß drücken, doch der Schmerz erreicht sie nicht. Zerbrochen liegt der Bilderrahmen daneben, das Foto, auf dem sie sich beide festhalten, ihre Köpfe aneinander gelegt, warm und zärtlich, schauen gemeinsam, glücklich in die Kamera. Kein Teil der Gegenwart.
Sie steht auf, geht zur Tür, öffnet diese, rennt hinaus. Im Treppenhaus packen sie die Erinnerungen, wie Dämonen fallen sie über ihr her, sie bricht zusammen, sinkt zu Boden: der Duft des Sommers, diese Person, dieses Lächeln. Sie greift sich an den Kopf, schlägt ihn an die Wand, fasst sich wieder, reißt sich zusammen, atmet tief durch, rennt zur Straße.

Sie ist leer. Die Dunkelheit macht kein Geräusch. Sie schaut sich um, es ist niemand zu sehen. Sie rennt weiter. Jeder Schritt bricht die Stille. Niemand hört sie, niemand sieht sie. Die mondlose Nacht, das kalte Laternenlicht. Sonst nichts.
Kalter Schweiß läuft ihr übers Gesicht, hin zu ihren Lippen. Der eisige Wind, er streift ihre Haare, zerrt an ihrer Kleidung, hält sie nicht auf.
Die Splitter des gehorchen Herzens, sie reißen tiefe Wunden in die Seele. All die glücklichen Momente, die Zärtlichkeit, die Worte, die Küsse, der Duft des Sommers. Sie rennt ans Ende der Stadt. Oben von der Brücke, man sieht die Sonne aufgehen. Vorsichtig berühren die Strahlen Häuserwände, Straßen, ihr Gesicht.
Sie streckt ihre Arme aus, umarmt den Wind, das goldene Sonnenlicht. Sie spürt die Freiheit in ihren Fingerspitzen, sie fühlt sich schwerelos, wie ein Engel.

Sie bemerkt das Blut in ihren Haaren, Hände von überall berühren ihren Körper. Doch sie hat es geschafft, sie lächelt, sie strebt hinauf, ins Glück.
Die Ärzte stellen ihren Tod fest. Entsetzte Gesichter um sie herum, ein so junges Mädchen, Fassungslosigkeit, Tränen, Schuldgefühle quälen die Freunde. Die Tränen der Mutter fallen aufs Grab. Alles was bleibt, sind Fragen.
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